Total Lust auf eine Reise in der Elternzeit? 5 Hindernisse und wie wir diese angegangen sind

Total Lust auf eine Reise in der Elternzeit? 5 Hindernisse und wie wir diese angegangen sind

In den letzten Monaten haben wir in unserem Umfeld oft mit Menschen gesprochen, die ein Funkeln in den Augen hatten, als wir von unseren Reiseplänen berichtet haben. Genauso oft begegnete uns das Wort ABER, gefolgt von vielen Gründen, warum es für unser Gegenüber nicht klappt oder nicht geklappt hat in der Elternzeit länger zu reisen. 

Es erstaunte uns, dass Eltern das Gefühl haben sich rechtfertigen zu wollen, wenn sie keine längere Elternzeitreise gemacht haben. Natürlich ist es völlig in Ordnung nicht zu reisen! Uns geht es vielmehr um die Menschen, die sich mit Funkeln in den Augen wünschen die Elternzeit zu nutzen, um in die Welt zu ziehen, dies aber nicht tun. Daher wollen wir in diesem Artikel den Hindernissen auf den Grund gehen, was diese Eltern von einer Reise abhält.

Meist beginnen diese inneren Hindernisse mit dem Wort ABER. Ein ABER ist meist ein liebevoller Begleiter. Wir denken und handeln auf der Grundlage unserer Erfahrungen, orientieren uns an unserem Umfeld und entwickeln Glaubenssätze im Laufe unseres Lebens. Wenn wir also strahlend an eine lange Reise denken und direkt ein ABER aus uns herausplatzt, ist das eine wunderbare Gelegenheit diesem inneren Berater genauer zuzuhören und uns zu fragen, was dieses ABER hervorruft. 

Wir haben uns auch selbst eine ganze Zeit mit verschiedenen ABER Hindernissen beschäftigt und inzwischen ist es für uns eher spannend genauer hinzuhören woher ein inneres Zögern kommt. In diesem Beitrag schauen wir uns daher die kleinen ABER genauer an und wollen euch dadurch bestärken genauer hinzuschauen, ob und wie eine Reise eure Elternzeit bereichern könnte.

ABER 1: Wir können uns das nicht leisten

Auf den ersten Blick ein völlig nachvollziehbarer Grund. Taucht man aber in das komplexe Geflecht des Elterngeldes ein, so können beide Eltern bezahlte Elternzeit nehmen. Das sind maximal 1800 Euro pro Monat und Person. Und ja, sicherlich nicht alle Menschen können sich einfach so eine große Auszeit leisten und bekommen auch nicht den Höchstsatz des Elterngeldes. Jedoch gibt es mehrere Faktoren, wie eine Reise dennoch günstig sein kann.

Unsere Tipps

  • Macht eine solide Kostenaufstellung. Welche Einnahmen und Ausgaben habt ihr im Monat? Diese Aufstellung kann eure Grundlage sein, wie viel Geld ihr in der Elternzeit/ während einer Reise zur Verfügung hättet. 
  • Überlegt, wie ihr gerne reist. Ist es euch z.B. wichtig Essen zu gehen, in Städten zu Shoppen, in Luxushotels zu übernachten oder reicht euch eine Hängematte im Urwald? Welche Kosten habt ihr üblicherweise im Urlaub? Je nach Vorlieben, fällt natürlich die Kostenaufstellung auch ganz unterschiedlich aus.
  • Auch wenn die Ausgaben während der Elternzeit die Einnahmen übersteigen, könnt ihr dieses Loch ggf. durch Rücklagen auffüllen. Wofür kann man sein angespartes Geld besser Einsetzen? 😉
  • In welche Länder reist ihr gerne? Auch hier können die Kosten sehr unterschiedlich sein.
  • Die Art zu reisen macht es aus: Bus, Ferienwohnung oder Campingplatz sind alles Kostenfaktoren. 
  • Remote Arbeiten – wir haben auch Eltern getroffen, die 2 Stunden am Tag für ihren Job Zuhause arbeiten. Die Arbeitgeber sind sogar dankbar für diese Möglichkeit. Hier brauchte es Mut zu fragen.

So haben wir das ABER gelöst

  • Wir haben unsere Wohnung untervermietet. Dadurch haben wir weniger laufende Kosten
  • Wir haben uns unsere Fonds und Rentenbeiträge genau angeschaut und in diesem Jahr etwas runtergeschraubt
  • Wir haben einen Bus. Ihn zu mieten wäre sehr teuer, das stimmt. Unser Konzept ist, dass wir unseren Bus immer vermieten, wenn wir ihn nicht nutzen. So war er natürlich eine Investition, doch wir reduzieren die Kosten dadurch etwas 
  • Freddy hat den ersten Monat von unterwegs 30 % gearbeitet. Das Konzept hat super geklappt und wir würden es wieder so machen! Auch sein Arbeitgeber war über die Lösung sehr glücklich.
  • Wir reisen im Balkan in günstigen Ländern, kochen meist selbst und wählen günstige Campingplätze aus. Da wir gutes Essen und Kaffee lieben, sparen wir hieran aber nicht. Ein guter Cappuccino und ein Eis sind im Reisbudget fest eingeplant

ABER 2: Der Papa hat ja nur 2 Monate, wenn die Mama ein Jahr raus will. 

Für Frauen ist es meist kein Problem mindestens ein Jahr im Job zu pausieren. Bei Vätern sind meist wenige Wochen schon einen Aufschrei wert. Objektiv betrachtet ist das ein Unding! 

Wir kennen einige Papas, die sich entweder im Job unentbehrlich fühlen oder behaupten, dass sie es ihrem Arbeitgeber nicht antun können länger als zwei Monate zu fehlen (… und die schon Stolz sind zwei Monate frei zu nehmen). 

Liebe Papas, 

Wenn ihr am Ende eures Lebens auf euer langes, langes Arbeitsleben zurückblickt und daran denkt, dass ihr mehr Zeit mit euren Kollegen als mit euren Kindern verbracht habt. Ist es euch Wert diesen Bruchteil der Zeit, ein paar Monate eures Arbeitslebens, nicht als Elternzeit genommen zu haben?

Wir wissen, dass es nicht einfach ist, aber wir wollen euch ermutigen im ersten Schritt nur mal den Gedanken zu erlauben euch länger freizunehmen und durchzuspielen, wie es gehen könnte. Es braucht Mut und ist sicherlich nicht immer einfach durchzusetzen. Wir glauben, dass wir die Generation sind, die durchboxen müssen, dass lange Elternzeiten auch für Männer normal werden und dass ihr damit auch einen großen Schritt zur Gleichberechtigung im Job beitragt.

Unsere Tipps

  • Seid mutig beim Arbeitgeber zu fragen, wenn ihr euch eine lange Reise/ Elternzeit wünscht. Das gute ist, der Arbeitgeber kann nicht nein sagen, wenn du angestellt bist und ihr mehr als 15 Mitarbeitende seid.
  • Entkoppelt Elternzeit und Elterngeld in eurer Planung! Ihr könnt euch bis zu drei Jahre freinehmen, nur bezahlt wird für 12+ 2 Papa Monate oder die doppelte Zeit mit dem halben Geld (Elterngeld Plus). Der Elterngeld Rechner ist sehr hilfreich durchzuspielen, wie ihr eure Elterngeld-Monate gut einsetzen könnt.
  • Besprecht ehrlich und offen wer wie lange pausieren möchte.
Freddys Arbeitsplatz auf Cres

ABER 3: Das Kind braucht ein Nest, Reisen tut ihm bestimmt nicht so gut

Mit diesem ABER haben wir uns auch eine ganze Zeit rumgeschlagen. Bestärkt hat uns, dass alle Erfahrungsberichte zu Elternzeitreisen aus dem Freundeskreis total positiv waren. Wir fühlen uns in erster Stelle verantwortlich, dass es unserem Baby gut geht und es alles hat was uns braucht. Wir dürfen unsere Liebe zum Reisen niemals über Ennos Wohl stellen. Das war immer klar. Vor der Reise hat uns dieses Thema immer als Prämisse, aber auch als “schlechtes Gewissen” begleitet. Doch reisen hat einen unschlagbaren Vorteil: Wir als Eltern sind nur mit unserem Baby unterwegs. Wir fangen nicht nebenbei an zu renovieren, strudeln nicht in unsere Routinen Zuhause, sondern sind als eltern komplett für unser Kind da. Das Nest sind wir als Eltern, so glauben wir und auf der Reise sind wir beide jedenfalls die beste Version unseres Nestes, haben wir festgestellt.

Unsere Tipps

  • Überlegt in welchem Alter ihr mit eurem Baby losfahren wollt. Jedes Alter hat unterschiedliche Vorteile und Herausforderungen (Krabbeln, Schlafdauer, …)
  • Schafft Routinen auf Reisen für das Baby. 
  • Im Bus/ Camper ist der vertraute Raum immer dabei, das schafft viel Sicherheit.
  • Es hängt viel davon ab, wie ihr reist. Mit viel Ruhe und Spaß daran euch nach dem Baby zu richten, baut ihr das beste Nest, das ihr könnt! 
  • Bleibt flexibel je nach Stimmung des Babys.
  • Reise so, dass ihr als Eltern euch wohl und sicher fühlt! Die Umgebung ist nur zweitrangig und wenn ihr euch wohlfühlt wo wir sind, fühlen sich die Kinder auch wohl!

So haben wir das ABER gelöst

  • Wir reisen langsam und bleiben mehrere Nächte an einem Ort.
  • Die Hitze ist unsere größte Herausforderung. Mal werfen wir den Ventilator an, mal spannen wir ein Sonnensegel. Kreativ schaffen wir immer einen Wohlfühlort.
  • Wir reisen nach dem Bedarf des Babys. Mal in die Berge, wenn es zu heiß wird. Mal bleiben wir länger, wenn Enno eine unruhige Nacht hatte.
  • Wir sind das Nest: Wir versuchen uns immer gut auszutauschen, was Enno braucht aber auch was wir brauchen, um entspannt zu sein.
  • Es gibt Situationen, in denen unsere Nerven strapaziert sind. Gebrüll beim Autofahren, eine nie endende Campingplatzsuche, kein Bargeld mehr, aber richtig viel Hunger! Wir sind also öfter aus der Komfort-Zone geworfen als Zuhause. Da brauchen wir uns als Paar und Reisepartner! Wir springen ein und unterstützen uns, wenn es einem von uns nicht gut geht und suchen pragmatische Lösungen.

ABER 4: Was ist, wenn mein Kind krank wird?

Hier hängt es tatsächlich viel von euch und eurer Komfort-Zone ab. Vor der Reise hatten wir auch einige Gefahren diskutiert, die unterwegs höher sind. Allein in der Umgebung, draußen mit Wespen, Zecken, Hitze und Co. lauern Herausforderungen (in Kroatien hatten wir sogar Schlangen und Skorpione an unseren Platz). Auch ein anderer medizinischer Standard und die sprachliche Barrieren, machten uns ein mulmiges Gefühl. Jetzt unterwegs fühlen sich diese Themen kontrollierbar an. Es war bei uns also eher ein Gefühl der Ungewissheit, das unsere Unsicherheit ausgelöst hat. Wir können also nur aufmuntern hier mutig zu sein! Und im schlimmsten Fall ist Deutschland nur eine Tagestour von uns entfernt.

Unsere Tipps

  • Wenn ihr hier bedenken habt, wählt ein Land mit guter medizinischer Versorgung. Z.B. Schweden, Frankreich, Dänemark…
  • Schließt eine Reiseversicherung ab. Die ist nicht teuer und deckt viel ab.
  • Wir haben uns von unserer Kinderärztin und Hebamme beraten lassen.

So haben wir das ABER gelöst

  • Wir haben eine riesige Reiseapotheke dabei und besonders Hanna ist auch immer besonders vorsichtig, damit ja nichts passiert.
  • Wir spannen ein Mückennetz, Suchen uns Plätze mit viel Schatten und spannen immer ein Sonnensegel / haben eine Markise.
  • Wir legen Enno immer in sicheren Abstand zu Büschen und Steinen, so dass er immer auch Abstand zu Schlangen und Co. Im Unterholz hat und lassen ihn nie ganz unbeaufsichtigt.
  • Nach Hannas Blasenentzündung und Aufenthalt in einem Krankenhaus in Kolumbien mit erstklassiger Versorgung, fühlen wir uns etwas sicherer. Auch im Balkan gibt es z.B. Privatkliniken mit sehr hohem Standard.

ABER 5: Unsere Familie und Freunde bekommen wenig von der Entwicklung des Babys mit

Das stimmt und das ist tatsächlich manchmal sehr schade. Wir argumentieren für uns folgendermaßen: Wir würden unsere Familie sonst auch nur an Wochenenden sehen. Stattdessen sind wir eine Zeit weg und am Ende der Reise gehen mit unserer Familie zwei Wochen in ein Ferienhaus. Die gemeinsame Zeit ist am Ende quasi die gleiche, als wenn wir ab und zu vorbei kommen würden.

Unsere Tipps

  • Macht regelmäßig Videokonferenzen mit euren Familien. 
  • Nehmt Videos für eure Freunde auf und lasst sie so teilhaben.
  • Seid proaktiv und haltet Kontakt, indem ihr Fotos, Videos oder Reiseberichte sendet.
  • Kauft eine lokale Sim Karte, damit ihr bei Bedarf jederzeit eine gute Verbindung habt. (Montenegro 5 Euro für 500 Gigabite). Wir sind zwar nicht die größten Fans von jeglicher Erreichbarkeit, aber es gibt viel Freiheit seinen Lieben nahe zu sein.

So haben wir das ABER gelöst

  • Wie gesagt: Ferienhaus mit unserer Familie am Ende der Elternzeit.
  • Die ersten zwei Wochen waren wir mit Hannas Mama gemeinsam unterwegs und Freddys Schwester begleitet uns zwei weitere Wochen. 
  • Wir haben so viele neue tolle Familien auf unserer Reise kennengelernt! Enno hatte fast immer andere Kinder zum “spielen” gefunden (mit 5 Monaten ist es eher ein gegenseitiges ins Gesicht patschen) und wir können uns gut mit anderen Eltern austauschen.
  • Wir laden Freunde ein uns auf Etappen der Elternzeit zu begleiten.

Unser Fazit: 

Wenn du auch zu den Leuten gehörst, die mit leuchtenden Augen an eine lange Elternzeitreise denken, hoffen wir dass wir dir ein paar Impulse geben konnten, deine Bedenken liebevoll zu hinterfragen und dir erlauben kannst JA zu deinen Träumen zu sagen.

Gedanke to go: Wenn dir ein inneres ABER begegnet – stell dir die Frage, woher das ABER kommt und was dieses in dir hervorruft. 

Lust auf mehr? Wenn du dir deine Träume, Glaubenssätze und Einstellungen tiefer betrachten möchtest, oder taktisch deine Elternzeit planen magst, melde dich bei uns. Wir begleiten dich gerne!

Frederik & Hanna

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