Reif für die Insel

Reif für die Insel

Das tolle am Reisen mit Bus ist, dass wir selbst bestimmen können, worauf wir Lust haben. Nach dem Nationalpark wollen wir Wasser, Hängematte und eine kühle Meeresbriese. 

Die Insel Hvar soll unser Ziel sein. Wir haben sie gewählt, da sie deutlich südlicher ist und entsprechend hoffen wir auf wenige Touristen, die Chance auf einen guten Stellplatz am Wasser und eine entspannte Umgebung. 

Für uns ist es immer schon wichtig flexibel zu reisen: Wir buchen nichts vor, rufen höchstens vorher an und fragen, ob noch was frei ist und erhalten uns die Flexibilität jederzeit unsere Pläne unserer Laune anzupassen. Es ist ein sehr freies Gefühl so zu reisen und wir freuen uns in der Nebensaison so unterwegs sein zu können.

Der erste Campingplatz auf Hvar, Holiday Camp, hat tolle Plätze mit Panorama aufs Wasser, ein kleines Dorf in der Nähe und viele Bäume die Schatten für Enno spenden. Nur dass die Straße für die Anlieger und das nächste Camp direkt durch den Campingplatz an unserem Bus vorbei führt ist etwas nervig.

Hier finden wir in einen tollen Urlaubs Flow. Wir gehen abwechselnd SUP Fahren, schnorcheln und der/die andere hat ganz bewusste Quality Zeit mit Enno. Die Tage fliegen so dahin. Wir machen jeden Tag einen Ausflug und achten darauf, dass wir mindestens ein Eis essen. 

Der Höhepunkt ist das Weinfestival im nächsten Ort. Wir entdecken ein kleines Restaurant mit berauschend gutem Essen, eigenem Wein und einer bezaubernden Kellnerin. Danach geht’s aufs Festival zur Live Musik und Freddy probiert sich durch die Weine der Region, während Hanna leider nur ein paar Probierschlücke nehmen kann. Corona scheint es hier allerdings nicht zu geben. Masken, Abstand. Wir scheinen die Einzigen zu sein, die darauf achten. Enno schläft friedlich in der Trage. Doch leider ist der Wechsel in den Fahrradanhänger und dann ins Bett dann doch zu viel für ihn und es wird eine unruhige Nacht. OK, solche Abende sind toll, intensiv, aber wir werden nur wenige davon auskosten.

WO IST DIE ZEIT HIN?

Erstaunlicherweise fliegen die Tage nur so und wir schaffen es kaum die Dinge zu tun, die wir sonst im Urlaub gerne tun, wie lesen, Hannas Yoga, Hörbücher hören oder den Blog schreiben. Gleichzeitig hatten wir die Vorstellung, dass wir mit Enno den ganzen Tag spielen und vergnügt durch den Tag träumen werden. In der Realität fühlt es sich dann eher wie ein Balance Akt an ihm gerecht zu werden und auch mal zwischendurch ins Wasser zu springen oder sogar einen Ausflug zu machen. Der Grund dafür ist, dass Enno eben einfach ein Baby ist, das oft quengelt, seine Zähne bekommt, müde wird und seine Emotion im 10 Minuten Takt ändert. Da kommen wir gar nicht hinterher! 

Gleichzeitig ist eben auch im Urlaub Alltag. Drei Mahlzeiten, der Abwasch und das tägliche Aufräumen kostet einfach wirklich Zeit und die fällt eben auch im Urlaub an. Besonders weil wir sehr sehr gerne kochen und es vom Pfannkuchen-Frühstück bis zum Obstsalat mit Sahne auch besondere Gerichte bei uns gibt, die eben auch Zeit benötigen. 

Also verabschieden wir uns von der Illusion, dass viel  Reisezeit gleich viel Qualitäts-Zeit ist und stellen uns darauf ein, dass wir uns diese auch im Urlaub aktiv nehmen müssen. Das zu akzeptieren war nicht leicht. Uns hat es geholfen uns weniger vorzunehmen und wir nehmen es mit Humor. Außerdem versuchen wir bewusst gemeinsame Zeit zu haben und teilen uns oft auf, dass einer komplette Enno-Zeit hat und der/die Andere unterstützt, kocht und quasi arbeitet. 

ABENTEUER MINI TUNNEL – AUF ZU CAMP LILI

Mit diesem Rhythmus starten wir auf eine Abenteuer-Fahrt zum nächsten Campingplatz. Dort wollen wir unsere Zeit genauso gestalten, aber eben nochmal einen anderen Teil der Insel sehen. Das Camp Lili haben wir von unseren Nachbarn empfohlen bekommen und es scheint eine gute Wahl zu sein!

Auf dem Weg machen wir einen Stopp in den Orten Stari Grad und Hvar. Stari Grad ist nett, man ist in ein paar Minuten durchgelaufen und es muss abends mit den vielen Bars und Restaurants ein Traum sein dort zu bummeln und zu schlemmen! 

Hvar hingegen ist sehr touristisch und wir erklimmen zuerst in der Mittagshitze den Berg und genießen die Aussicht. Enno schläft wie immer in der Trage und wacht zum Glück erst auf als wir uns auf dem Marktplatz im Schatten einen Mittagssnack gönnen. Die Restaurants sind super teuer und da wir gar nicht richtig essen wollen, holen wir uns beim Bäcker ein Burek, eine gefüllte Blätterteigtasche, die sicherlich super ungesund ist dafür aber umso besser schmeckt! Wir bummeln durch die Straßen, decken uns mit viel Obst und Gemüse ein und weiter geht’s mit dem Ziel: Camp Lili!

Das besondere an dem Campingplatzes ist, dass der ganze Küstenabschnitt nur über einen Natursteintunnel zu erreichen ist, der nur 2,70 m hoch und 2,30 m breit, gefühlt von Hand gemeißelt, kurvig, über einen km lang und ein absolutes Abenteuer ist. Wohnwägen, LKWs und große Busse passen nicht durch. Irgendein Spaßvogel hat zu allem Überfluss auf dem Warnschild vor dem Tunnel die 7 von 2,7 m wegekratzt hat und wir so stark am zweifeln sind, ob der Tunnel jetzt 2 Meter oder 2,7 m hoch ist. Kurz im Internet recherchiert die Spiegel angeklappt und los geht’s. Boah sind wir froh als wir durch sind! 

Durch die Tunnel-Beschränkung erwarten uns fast nur Zelt-Camper auf dem Platz, vor allem Slowenische Familien. Wir freunden uns mit einem Paar aus Hamburg an, die im Herbst ein Kind erwarten und sind dankbar, dass sie sich gerne auch mal um Enno kümmern, wenn wir am Bus zu tun haben. 

Das Highlight des Platzes ist eine tolle Badebucht mit Strand. Freddy entdeckt bei jedem Schnorcheln Oktopusse, Moränen und erkundet die Unterwasserwelt begeistert. Enno hingegen tut sich schwer. Er holt sich seinen Schlaf meist in der Trage und hier gibt es keine Wanderwege, sodass ihm der Schlaf fehlt und er oft unruhig ist. Daher beschließen wir die nächste Wanderroute mit dem Fahrrad zu erreichen und von da Enno wieder mal eine gute Dosis Trage-Schlaf und unseren Beinen ein bisschen Aktivität zu gönnen.

ABENTEUER WANDERUNG

Mit dem Fahrrad Fahren ist in Kroatien bescheuert, das hatten wir ja schon bei den Plitwitzer Seen erlebt. Und auch jetzt kämpfen wir mit den Bergen und der Hitze, die sich anfühlt “als ob dir jemand mit einem heißen Föhn ins Gesicht bläst”, wie ein anderer Camper es treffend beschrieben hat.

Wir erreichen den Wanderweg 15 Minuten später und sind schon völlig fertig! Da passt es doch super, dass der Weg in der prallen Sonne ist und die Mittagshitze so langsam aufkommt, sagen wir sarkastisch. Dennoch wird es eine intensive und tolle Wanderung, denn wir entdecken eine ehemalige Kirche in einer riesigen Steinhöhle. Ein majestätischer Ort. Wie immer hat besonders Hanna ein schlechtes Gewissen Enno gegenüber, aber der schläft entspannt und freut sich über die wiegende Bewegung beim getragen werden. Allerdings verzichten wir auf den Abstecher zum Fischerdorf auf ein Eis, da wir den mega steilen Hang weder runter noch hoch fahren wollen . Auch wollen wir Enno nicht wieder raus und rein in den Fahrradhänger laden. 

Zurück am Campingplatz kühlen wir uns im Meer ab, Enno wird mit einem nassen Tuch abgekühlt und wir gehen abends mit unseren neuen Freunden essen. 

Doch es ist unser letzter Abend. Uns hat das Reisefieber gepackt. Wir hören von weiteren Orten, bekommen Tipps und Inspiration und wollen mehr sehen! Daher packen wir nach 3 tollen Tagen unseren Bus fertig und los geht’s: Dubrovnik wir kommen!

Unser Fazit: 

  • Auch auf Reisen nehmen Alltags-Aufgaben viel Raum ein und wir nehmen uns aktiv Zeit für Enno, für uns als Paar und für uns selbst.
  • Es ist an fremden Orten immer verlockend, sich zu spannenden Aktivitäten hinreißen zu lassen. Da ist es besonders herausfordernd eine Balance zwischen Aktionen und Baby-Ruhephasen zu finden. Es hilft uns an jeder Station einen Tag zum Müßiggang dranzuhängen!
  • Die Hitze ist immer ein Thema! Enno steckt sie manchmal besser weg als wir und dennoch bestimmt sie unsere Planung sehr.

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