Was ist Zuhause?

Was ist Zuhause?

2019 in Kolumbien haben wir uns viel mit diesem Thema beschäftigt. Damals auch im Kontext wo und wie wir wohnen wollen oder ob es Zeit ist eine Familie zu gründen. “Was brauchen wir, um ein Nest für uns zu bauen”? haben wir uns gefragt.

Dabei haben wir stark aus einer Erkenntnis Kraft geschöpft, die uns auch heute noch die Freiheit schenkt im Urlaub und im Alltag das Leben zu genießen.

Lest selbst:

Zuhause ist eine Hängematte

Bericht von hanna, Dez 2019

Lass uns nach Hause gehen“, sage ich, als wir unseren frischen Fisch gegessen und einen großen Eisbrecher zum Nachtisch verdrückt haben. Der Himmel verliert das letzte Lila, das Meer rauscht, Regeton Beats und Gelächter klingen um uns herum.

Dabei stehen uns alle Möglichkeiten offen. Wie jeden Abend. Wir könnten in einer der tollen Bars mit Meerblick Cocktails in der Happy Hour trinken, später tanzen gehen, am Strand sitzen und gemütlich aufs Meer schauen, früh schlafen gehen nach dem langen Tag… Vor 3 Stunden sind wir in Taganga angekommen und schon jetzt leben wir in unserer Reise Routine. Alles steht uns offen. Ein Paradies aus dem wir wählen können wonach uns ist.

Als wir kurz darauf im Hostel in der Hängematte liegen und Freddy dran ist unseren Krimi weiter vorzulesen, entspinnt sich stattdessen ein Gespräch darüber, wie merkwürdig es ist, dass wir uns genau hier, auf einer Dachterrasse in der Hängematte mit Blick auf die Bucht in diesem Moment unglaublich Zuhause fühlen. Genau wie auch gestern abend, mit einem Cocktail am Pool in einer anderen Stadt und genau wie letzte Woche in einem Bergdorf in den Anden von Peru.

Aber was ist es denn dann für uns, das „Zuhause“?  

Wir sprechen über unser Zuhause in Bremen. Dort sind wir viel unterwegs, unser Wohnzimmer nutzen wir selten. Fühlen wir uns dort vielleicht noch wohler und sind öfter da, wenn wir die Möbel umstellen? Wie viel Zeit wollen wir eigentlich in unserem Zuhause in Bremen verbringen und spielt das eigentlich eine Rolle?

Im Laufe des Gesprächs wird mir, Hanna, klar, dass Zuhause für mich ein Gefühl der Geborgenheit ist, egal wo ich bin. Auf meine Umwelt bezogen sind es eher Mikro-Orte, keine ganzen Städte, die ein Zuhause Gefühl in mir entstehen lassen. So ist es auch in Deutschland.

Bei mir hat wohl fühlen auch immer  mit Ästhetik zu tun, wobei das für mich nichts mit Luxus verknüpft ist, sondern eher damit die Umgebung liebevoll zu gestalten. Hier in Kolumbien auch ohne Geld einfach in einem Café Plastik Behälter zu bemalen und mit Blumen zu bepflanzen, dazu schöne Musik und vor allem herzliche Menschen kreieren für mich direkt eine Atmosphäre, in der ich mich Zuhause fühlen kann. Freddy vertritt dabei die Hypothese, dass dieses Gefühl besonders entstehen kann, wenn man selbst ein Haus baut, renoviert, einrichtet und je mehr Zeit und Muße man reinsteckt, desto mehr wird in diesem Fall das Haus zu dem wichtigen Wohlfühlort, dem Zuhause.

Für mich gibt es noch andere Ebenen von Zuhause. Ich habe immer mein Buch dabei, eine Mischung aus Terminplaner, Tagebuch, Speicher für meine Projekte und Ideen. Darin zu schreiben ist für mich auch ein Zugang zu meinem inneren Zuhause und darin arbeite ich auch in Deutschland am liebsten in Cafés oder der Bücherei.

Dabei ist Zuhause verbunden mit meiner Komfort Zone. Das wird mir eindrucksvoll klar, als ich nach einem Tag baden und wandern mit nassen Klamotten merke, dass ich eine Blasenentzündung bekomme. Mist. Das ist echt eine Herausforderung, da es im Ort keinen Zugang zu Antibiotika, Heiltees, geschweige denn Ärzten gibt. Hier merke ich, dass ich beim Reisen an eine Grenze meiner Komfortzone komme und noch viel mehr als sonst auf das Leben, die Menschen hier und auch meine eigenen Heilkräfte vertrauen muss. Letzteres ist für mich einer der essenziellsten Aspekte. Vertrauen in mich selbst zu haben und auch trotz Herausforderung im Job, komplizierten oder unsicheren Situationen hier auf der Reise ganz in der eigenen Balance zu bleiben und den Blick auf das Gute zu behalten öffnet mir die Möglichkeit überhaupt das Zuhause so groß definieren zu können.

Und dann sind da natürlich noch die lieben, tollen Menschen!

Bei Blasenentzündung rufe ich Mama an, das mache ich in Bremen, in Taganga und auch sonst überall auf der Welt, denn sie hat den besten Rat und wenn ich hier über Zuhause schreibe, gehört meine Familie in jedem Fall erwähnt, egal über welche Kanäle und an welchen Orten wir uns treffen.

Zuhause sind in Bezug auf Komfort Zone auch die kleinen gemeinsamen Routinen und die Alltagsgestaltung, die uns auch hier am anderen Ende der Welt zuhause fühlen lassen. Zuhause sind wir beide zusammen, aber noch viel mehr. Es sind die Träume, Erlebnisse, die schönen Momente und das Vertrauen, dass trotz Blasenentzündung alles gut wird. JedesMal im Urlaub überkommt uns der Wunsch auszuwandern, ein Hostel aufzumachen, selbständig und ortsunabhängig zu arbeiten und an den schönsten Orten der Welt zu leben. Doch wir wissen, es dürfen vorerst Träume bleiben, denn Zuhause sind nicht die Traum Strände. Zuhause sind vor allem Menschen, die uns wichtig sind, Freundschaften die sich entwickeln und wachsen. Zuhause muss nichts großes, ewiges sein. Zuhause ist der Moment in der Hängematte.

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