Städtetrip mit Baby – Wir haben den Dreh raus

Städtetrip mit Baby – Wir haben den Dreh raus

Vor wenigen Wochen waren wir in Dubrovnik noch blutige Anfänger mit Baby entspannt eine Stadt anzuschauen. Wir fühlten uns völlig zerrissen zwischen unseren Bedürfnissen und dem Wohl des kleinen Enno. Alles war angespannt und irgendwie stressig. Doch wir haben gelernt und bravurös die Städte Danzig, Warschau und Krakau in Polen ganz entspannt und wunderbar genossen.

Wie das für uns gelungen ist? Lest selbst und schaut auf unsere Tipps am Ende des Artikels.

DANZIG: 

Wow wow wow! Was für eine Stadt! Als erstes feiern wir, dass der Campingplatz direkt am Strand ist und wir mit dem Fahrrad quasi ohne Ampel in 20 Minuten in die Stadt sausen können.  Danke EU! (Wenn man darauf achtet, sieht man an fast jedem Radweg in Polen, dass die EU mitgesponsort hat) Hier sind auch plötzlich die ganzen deutschen Touristen. Der Platz ist voll mit deutschen Urlaubern und wir ergattern den letzten Platz im Camp. Glück gehabt!

In Danzig angekommen, erkunden wir als erstes die Stadt. Die Free-Walking Tour machen wir ganz bewusst später, um nicht schon wieder auf Zack einem Termin hinterherzurennen. Das war auch eine gute Idee, denn Enno will sich alles genau anschauen und überhaupt nicht im Wagen liegen. 

Tipp: Fahrradanhänger

Fahrradanhänger statt Kinderwagen ist auf Reisen Gold wert. Wir können so bequem unsere Sachen transportieren und sind nicht nur auf die Trage angewiesen. Allerdings informieren wir uns immer vorab, wie die Gegebenheiten sind. Wir haben auch immer ein Schloss dabei, um den Wagen sonst anzuschließen und Enno in der Trage ein Stück mitzunehmen, wenn es z.B. Treppen gibt.

Unfassbar wie viel hier los ist. Danzig ist ein einziges Gewimmel von Menschen und die Häuser erinnern tatsächlich ein bisschen an Amsterdam. Es ist eben eine Hansestadt. Enno schläft irgendwann in der Trage ein und wir beschließen die Zeit zu nutzen, um Mittag zu essen. Danach soll aber ausgiebige Enno-Zeit sein, damit wir im Anschluss eine entspannte Walking Tour machen können. Geübt, wie wir inzwischen sind, haben wir schon am Morgen einen tollen Platz erspäht. Direkt am Fluss gibt es Liegen in der Sonne mit tollem Blick auf das bunte Treiben. Genau den steuern wir an. Bei einem Coffee-Bike holen wir uns einen super starken Kaffee von der unerfahrenen Barista, die das wohl als Ferienjob macht und ich habe noch Stunden später Herzklopfen davon. Mit der ganzen Energie des Kaffees und der Sonne werden es zwei wunderbare Stunden. Enno quietscht, streichelt Hunde, tobt auf uns rum und wir haben eine ganz wunderbare und entlastete Pause. 

Jetzt aber schnell zur Free Walking Tour! Sie ist richtig gut und wir lernen viel über die Stadt und merken, dass uns gar nicht bewusst war wie eng Danzig mit der Hanse und dadurch auch deutschen Städten verbunden war. Hier hat übrigens der zweite Weltkrieg angefangen (In Dubrovnik der Erste – Wir sind wohl weiter auf Weltkriegs-Tour unterwegs…)

Anschließend wird wieder entspannt. Wir breiten die Decke aus und gönnen uns die Zeit nur in der Gegend rumzuschauen und uns zu entscheiden was wir essen wollen. Die Wahl fällt auf Piroggen in einer richtigen Piroggeria, in der man durch ein Glas im Boden live der Küche zuschauen kann. Enno sitzt vergnügt auf unserem Schoß und würde am liebsten mitessen!

Perfektes Timing. Nach dem Essen machen wir noch einen Spaziergang zu den Fahrrädern und laufen noch ein paar Schritte, bis unser kleiner Mausezahn eingeschlafen ist. Wir sind so stolz auf unser Energiemanagement, dass wir es am Ende noch übertreiben müssen und zur Livemusik ans Meer fahren – wo Enno dann mit Gebrüll aufwacht. Hätten wir uns sparen sollen. 

Am nächsten Tag verbringen wir den Vormittag am Strand und fahren erst später in die Stadt. Freddy kommt endlich mal wieder dazu seinen Kite auszupacken und bei perfekten Bedingungen eine Kite Session als einziger Kiter auf dem Wasser einzulegen.

In Danzig angekommen, machen wir eine Bootstour. Auch eine super Aktion mit Kind und echt spannend den riesigen Hafen zu sehen. Anschließend bummeln wir durch die Gassen und es wird bei uns natürlich noch gebührend geschlemmt bevor wir der Stadt auf Wiedersehen sagen. Schön wars!

WARSCHAU

Dem Stopp in Warschau geht unser Supergau voraus. Estland war unser Ziel!! Wir hatten von Tallin, Riga, Wildcampen und Urlaub auf den Inseln geträumt als wir eine halbe Stunde vor der Grenze nach Litauen eine Krisenbesprechung irgendwo auf einem Parkplatz einberufen. 

Alles ist klamm, es regnet in Strömen und die Wettervorhersage ist gelinde gesagt grottig. Wir ziehen die Notbremse und biegen ab. Nach einem heißen Kaffee lenkt Hanna den Bus Richtung Süden. Dort wird es über 10 Grad wärmer als in Tallin und es gibt Hoffnung auf Sonne. Freddy bucht währenddessen aus dem Auto ein AirBnB in Warschau. 

Als wir dort drei Stunden später ankommen, stellen wir direkt die erste der sechs Waschmaschinen an. Alles soll mal sauber werden. Auch der Teppich und die Fußmatte. Wir beschließen uns heute nicht mehr aus dem Haus zu bewegen. Kuchen, Kaffee, eine heiße Dusche und eine Pizza auf dem Sofa versöhnen uns mit der Kehrtwende unserer Reise. 

Wieviel Fremdbestimmung durch das Wetter wollen wir uns leisten? Wir fühlen uns, als ob wir das Ruder nicht mehr in der Hand haben. Dabei ist die Freiheit genau das, was wir durch den Bus haben und eigentlich kommt unsere Reiseart uns doch zugute. Wir können uns den Umständen entsprechend anpassen. Und trotzdem! Es fühlt sich noch doof an. 

Wir ziehen das Sofa vor das Panoramafenster und blicken auf die vorbei eilenden Regenschirme. Enno kann endlich wieder vergnügt toben Es war eine gute Entscheidung.

Am nächsten Tag kommt unser Entdeckergeist dann doch durch. Wir starten mit Pfannkuchen zum Frühstück und schlemmen ausgiebig bis zum Mittag. Dann koppeln wir den Fahrradanhänger an und düsen – zur nächsten Free Walking Tour. Wahnsinn was Warschau so alles mitgemacht hat und wie kunterbunt die Stadt zusammengewürfelt ist. Gleichzeitig fühlen wir uns gerade als deutsche besonders bedrückt, denn die Nazis hatten nach dem Warschauer Aufstand die gesamte Stadt dem Erdboden platt zugemacht, um ein Exempel zu statuieren. Nur wenige Prozent der Einwohner hatten überlebt und es macht uns wirklich traurig und betroffen zu sehen und zu hören, wie sehr die Menschen hier gelitten haben müssen. Dieses Gefühl wird umso gewaltiger, als wir am nächsten Tag im Museum den zweiten Weltkrieg in Warschau anschauen, einfühlen und fassungslos werden. Soviel Grausamkeit kann kein Mensch ertragen.

Anschließend verdauen wir die vielen Infos bei einem ausgiebigen Mittagessen mit zwei Bulli Reisenden aus Süddeutschland, die wir bei der Walking Tour kennengelernt haben. Es tut gut uns auszutauschen und wir haben viel Freude über Bulli-Ausbauten zu fachsimpeln. Hier in Warschau werden wir auch wieder auf unser Baby angesprochen, was uns davor wenig passiert ist. Polnisch, Englisch, Deutsch. Kein Problem für Enno!

Zwei weitere Tage bummeln wir durch die Stadt, gehen gut essen und schauen uns einige Sehenswürdigkeiten, Museen und das bunte Treiben an. Das Wetter ist total ok und wir sind froh, dass wir hier sind. 

Doch als wir unsere saubere und trockene Wäsche zusammenlegen und die Tür hinter dem AirBnb schließen, freuen wir uns sehr auf Caliope, unseren Bus. Endlich wieder in unser Zuhause.
 

KURZER ZWISCHENSTOP IM NIRGENDWO

Nach Warschau brauchen wir mal wieder ein bisschen Natur. Das denken wir, als wir auf dem Weg nach Krakau im Auto sitzen und irgendwie noch nicht bereit sind für die nächste Stadt. Da feiern wir mal wieder den Bus und unsere spontane Art zu reisen. Wir checken die Camping App Park4Night, fahren die nächste Ausfahrt raus und landen direkt auf einem tollen Stellplatz direkt am See mit Enten und kleinem Kiosk. Dort verbringen wir zwei herrlich unspektakuläre Tage auf der Picknickdecke, Kochen und Essen aus unseren Vorräten, machen lange Mittagschläfchen und tun einfach mal “nischt”.

KRAKAU

Hanna war vor einigen Jahren schonmal hier. Im Partyhostel mit kostenlosen Trinkspielen am Abend und durchtanzten Nächten. Dieses Mal ist es deutlich anders.

Auch hier in Krakau schaffen wir einen sehr entspannten Städte-Tag mit Enno! Wir lassen dazu einfach mal locker und fließen durch den Tag. Das bedeutet für uns mental loszulassen und bewusst entspannt zu schlendern, statt neugierig ein schnelleres Tempo einzulegen.

Drei Dinge haben wir uns vorgenommen: Durch die Altstadt schlendern, rauf zur Burg und abends in einem Restaurant essen gehen, das uns von Hannas ehemaliger Kollegin Alicja empfohlen wurde. (Alicja ist gerade wandern und wir können sie daher leider nicht treffen).

Mit dem Anhänger düsen wir in die Stadt und gehen einen Kaffee trinken, da Enno auf dem Weg eingeschlafen ist. Als er aufwacht brechen wir auf und schlendern durch die Gassen und der Kleine schaut staunend in der Gegend herum. Als Enno Hunger bekommt, legen wir uns mit einer Decke in den nächsten Park und essen dort auch etwas, während Enno ohne Windel krabbeln und sich austoben kann. Als seine Kräfte schwinden geht es für uns weiter auf die Burg und es bietet sich uns ein großartiger Anblick über die Stadt, den Fluss und die ganze Gegend. Hier können wir richtig viel Zeit verbringen und am Ende hat Enno schon wieder Hunger, Hanna stillt also entspannt und danach nutzen wir die Schlaf-Phase, um gemütlich nochmal durch die Straßen zu schlendern und schaffen es sogar in das Restaurant, bevor er aufwacht. 

Wir sind ein bisschen stolz, dass wir so flexibel waren und nach Ennos Rhythmus den Tag bestimmt haben. Gleichzeitig merken wir aber auch, dass wir gerade keine Lust auf Geschichte, Tiefe und Eintauchen haben. Oberflächlich touristisch nur zu schauen war hier gerade angebracht für unsere Stimmung und das ist auch OK. Uns zieht es nämlich weiter in die Natur und wir lassen uns mitreißen mit unserer Laune. Diese Freiheit haben wir ja und genießen diesen Luxus sehr.

TIPPS FÜR STÄDTETRIPS MIT BABY

  • Du hast es im Text schon gelesen: Je weniger du dir vornimmst, desto entspannter ist es. Gilt eigentlich immer. 
  • Sei dir klar, welche Bedürfnisse du hast:
    • Tauscht euch z. B. Morgens aus, was euch für den Tag in der Stadt wichtig ist. Ist es ein Museum oder habt ihr Lust euch zu bewegen, wollt ihr gut essen? Diskutiert daraus, was ihr euch vornehmt und was offen sein darf 
    • Wie war die Nacht und wie wirkt euer Kind / eure Kinder auf euch? Was brauchen sie heute oder im Moment.
  • Habt großzügig alles dabei, was ihr brauchen könntet
  • Essen auf der Picknickdecke: Nicht so chic wie im Restaurant, aber mit Kind deutlich entspannter. Wir versuchen es uns immer schön zu machen, indem wir trotzdem gemeinsam mit dem Essen starten, uns “guten Appetit” wünschen und ganz bewusst das Essen genießen

–> Umfangreichere Tipps gibt es nächste Woche im Artikel: Die keine Philosophie des Reisens

FAZIT

Polens Städte haben unglaublich viel zu bieten:

Richtig richtig großartiges, günstiges Essen tolle Architektur und tiefe Geschichte. Danzig, Warschau und Krakau können wir absolut als Reiseziel empfehlen. Mit und ohne Kind. Gleichzeitig haben wir es in allen Städten geschafft ganz easy mit Baby unterwegs zu sein. Die Straßen sind barrierefrei, Fahrradwege ausgebaut und es gab überall Parks, Bänke und kinderfreundliche Restaurants. Wir haben uns mit Enno sehr willkommen gefühlt und die Zeit richtig genossen.

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