Die kleine Philosophie des Reisens mit Baby

Die kleine Philosophie des Reisens mit Baby

Vier Monate waren wir unterwegs und haben so vieles erlebt! Epische Wanderungen, heiße Sommertage in der Hängematte, historische Städte, Sternschnuppennächte und natürlich den ersten Brei, patsche Händchen, die sich in unsere Richtung strecken, den ersten Zahn, müdes Weinen und ein strahlendes Kinderlachen, wenn der Kleine uns entdeckt.

Wir haben unseren Rhythmus gefunden und sind voll eingespielt.

Hier haben wir die für uns entscheidendsten Komponenten fürs Reisen mit Baby für dich zusammengestellt und wir teilen mit dir unsere wichtigsten Tipps und Learnings.

  1. Die Stimmung entscheidet
  2. Ein Campingplatz ist ein Wohlfühlort
  3. Essen gehen mit Baby
  4. Das Wetter

REISEN MIT BABY – DIE STIMMUNG ENTSCHEIDET

Oft sind die Tage sehr unterschiedliche auf unseren Reisen. Aktivitäten, Entspannung, Strand, Wanderungen, Städte und Natur wechseln sich ab. Einmal sind wir für mehrere Tage hintereinander am Strand mit dem gleichen Tagesrhythmus und da fällt uns nochmal ganz deutlich auf, dass wir gar nicht sagen können was Enno wirklich MAG.

An einem Tag findet er Sand, liegen und spielen super. Er quietscht glücklich und ist den ganzen Tag entspannt. Am nächsten Tag im gleichen Setting passt ihm gar nichts. Er will nicht liegen, sondern getragen werden und fordert ein, dass wir mit ihm aktiv spielen. Diese Erkenntnis erleichtert uns sehr, denn sie besänftigt ein bisschen das schlechte Gewissen, das uns anfangs immer wieder begleitet hat, ob wir dem Baby gerecht werden.

Wir erkennen: Bedürfnisgerecht mit Baby zu reisen beinhaltet gar nicht einen bestimmten Ablauf und auch nicht das Baby zwingend zu “schonen” und dabei die eigenen Bedürfnisse hinten anzustellen. Stattdessen bedeutet es immer und jederzeit nach Tagesform und Gegebenheiten flexibel das Beste draus zu machen!

Seitdem ändern wir unser Vorgehen: Wir machen nur noch grobe Planungen und Varianten.

Daraus sind einige hilfreiche Erfahrungen entstanden, die wir Tam Tam Tam, hier für dich zusammenfassen:

Tipps für flexibles Reisen mit Baby:

  • Nimm eine Picknickdecke mit, damit ihr jederzeit eine Pause zum strampeln machen könnt.
  • Ein Kaffee to go in der Stadt im Park ist manchmal entspannter, als im Café zu sitzen mit einem sich windenden Baby auf dem Schoß
  • Wagen und Trage brauchen wir beides, um jederzeit wechseln zu können. Ein Schloss für den Kinderwagen ist immer dabei, dann kann er auch mal stehen bleiben.
  • So wenig “Termine” wie möglich. Zu einem bestimmten Zeitpunkt irgendwo zu sein, ist unser größter Stressor.
  • Tagesplanung: Wir nehmen uns drei Eckpunkte vor. Der Rest passiert spontan. Loslassen von konkreten Plänen, sondern eher grobe Ideen vom Tag zu haben, macht es uns so viel leichter! Wir planen morgens z.B. wir wollen “eine Wanderung” machen oder in einer Stadt diese drei Dinge tun.
  • Wir haben immer Snacks für uns dabei, die aber nicht zwingend gegessen werden müssen, zB ein Apfel, Humus im Glas und Brötchen (ungeschmiert). Wenn wir lieber essen gehen wollen, rösten wir die Brötchen fürs Frühstück auf.
  • Auf die Haltung kommt es an: Wie immer sind Pläne das Eine, aber viel wichtiger ist es, wie du deinen Blick auf den Tag kultivierst. Zum Beispiel hilft es uns ganz aktiv immer wieder uns anzuschauen und zu besprechen was wir brauchen, statt uns im Strudel der tollen Umgebung zu verlieren, bis einer quengelt.
  • Akzeptieren: Der ganze Tag klappt nicht. Du freust dich auf ein Eis, stattdessen sitzt du immer noch im Bus und stillst. Es ist in Ordnung. “Ich atme Ruhe ein und Anspannung aus”.

EIN CAMPINGPLATZ IST EIN WOHLFÜHLORT

Es macht so viel aus, wie der Campingplatz aussieht! Und für uns sind das gar nicht die Sanitäranlagen oder ein fein geschnittener Rasen, sondern die Atmosphäre und wie liebevoll der Platz gestaltet ist. Es macht einfach Spaß am Platz abzuhängen, wenn er hell ist und man vor allem in die Natur schauen kann, das Meer rauschen hört und Platz genug mit ordentlich Abstand zu den Nachbarn ist.

In Polen finden wir solche Plätze zunächst nicht. Obwohl schön gelegen im Wald, wirken beide Plätze beengt und sind dunkel. So richtig laden sie nicht dazu ein, dort abzuhängen. Erst als wir über Park4night im Landesinneren coole Wiesen am See mitten im Nichts ansteuern, ändert sich das. Und das ist für Reisen mit Bus und Kind der entscheidende Punkt: Wenn du dich am Campingplatz wohl fühlst, kannst du da Zeit verbringen – wenn nicht, bist du getrieben und unternimmst tendenziell mehr! Das erzeugt dann gleichzeitig für uns wieder das Bedürfnis nach mehr Ruhe und Stabilität. Ein Teufelskreis.

Erkenntnis: Die Wahl des Campingplatzes ist einer der entscheidendsten Faktoren für eine erfüllte Reise.

Wir verbringen viele Abende damit zu philosophieren, wie ein Campingplatz aussehen würde, den wir gestalten. Er ist wild, ohne Parzellen, hat einfache aber freundliche Waschhäuser, ein Kräuterbeet und einen Ort, an dem sich alle Treffen können, wie ein Lagerfeuer…. Wäre das ein alternatives Leben für uns? Vermutlich nicht. Aber trotzdem bleibt es ein Traum.

ESSEN GEHEN MIT BABY

Wir lieben essen und haben in Polen unser Schlemmerparadies entdeckt. Die Küche ist reichhaltig und unglaublich lecker! So kann es doch des Öfteren passieren, dass wir 1-2 mal am Tag im Restaurant oder an Street-Food Ständen hängen bleiben, tollen Kaffee trinken und natürlich Waffeln mit Eis essen.

Wir haben gefühlt alle Situationen im Restaurant in Ennos Alter von 4-8 Monaten mitgemacht. Mal hat er friedlich geschlafen, mal gebrüllt, wir sind in der Trage gehopst, haben mal schnell geschlungen, Enno hat Sauerei gemacht oder wir hatten lange entspannte Gespräche bei Kerzenschein und Rotwein. Je älter Enno wurde, desto präsenter war er beim Essen dabei und desto anspruchsvoller waren auch die Besuche im Restaurant.

Unsere Tipps:

  • Snacks mitnehmen: Wir haben immer ein Weck-Glas mit Birne, Karotte, Avocado und Co dabei. Enno sitzt im Restaurant auf unserem Schoß oder im Stuhl und darf gleichzeitig auch was snacken
  • Haltung: Essen ist zum experimentieren da. Also cool bleiben und ganz selbstverständlich das Baby matschen lassen. Egal wie die Nachbarn schauen!
  • Schicke Restaurants fühlten sich für uns mit Baby weniger angenehm an und sind ohnehin nicht unser Ding, da wir versuchen immer lokal “authentisch” zu essen.
  • Fühle in dich hinein, wie deine Stimmung und dein Energielevel ist. Gestresst oder mit einem potenziell müden Baby loszuziehen, kann schwierig werden.

DAS WETTER

Der letzte und entscheidendste Punkt beim Reisen mit Kind ist das Wetter. Auch hier können wir mit unseren Erfahrungen inzwischen reichhaltig berichten. Von 42 Grad in der Mittagssonne bis zu eiskalten Nächten bei unter 4 Grad war alles dabei. So viele hängt bei der Tagesgestaltung davon ab!

Tipps zum Umgang mit Wetter:

  • Wettervorhersage im Blick haben ist natürlich immer schlau. Für uns war es die Rettung, dass wir nichts gebucht hatten und flexibel waren. Auf dem Weg nach Estland haben wir zum Beispiel eine halbe Stunde vor der lettischen Grenze die Notbremse gezogen und sind stattdessen sieben Stunden in den Süden gefahren, um 10 Grad wärmer und etwas Sonnenschein zu genießen. Nutzt eure Optionen!
  • Eine Liegewiese im Bus zum Spielen und Toben ist super. Wir haben unseren Bus immer so organisiert, dass wir das Bett schnell ausklappen und auch einen Regentag dort verbringen konnten
  • Stoffwindeln sind bei schlechtem Wetter auch so eine Sache. Mehr dazu im Artikel zu Stoffwindeln
  • Bei Hitze waren wir anfangs ratlos. Ab in die Berge war unsere beste Lösung und auch unser Ventilator war klasse. Ansonsten spannt am besten eine Hängematte unter Bäumen und steht die Hitze durch. Doch generell lässt sich bei knallender Sonne viel mit Baby machen. Mit Sonnenschutz, leichter Kleidung und planschen im Wasser, ist ein warmer Urlaub natürlich traumhaft.

Das waren unsere wichtigsten Tipps für deine Familienreise.

Lass es dir gut gehen und viel Spaß unterwegs!

Freddy und Hanna

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.